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Validierung

PyADM1ODE wurde gegen den Referenzsimulator SIMBA# biogas 4.2 (ifak Magdeburg) sowie gegen Messdaten realer landwirtschaftlicher Biogasanlagen validiert. Diese Seite fasst die Validierungsstrategie und die wichtigsten Ergebnisse zusammen.

Referenzsimulator

SIMBA# biogas 4.2 ist die de-facto Industriereferenz für die landwirtschaftliche ADM1-Erweiterung ADM1da. Die Validierungsläufe nutzen SIMBA#'s ADM1da-Implementierung (die kinetische Säure-Base-Variante, nicht ADM1daph) mit identischer Reaktor­ geometrie, Temperatur, \(k_L a\)-Wert, Substratzusammensetzung und Anfangszustand. SIMBA#-CSV-Exporte liefern die Referenz-Zustandstrajektorien.

Validierungs­szenarien

30-tägiger Einzelsubstrat-Lauf (Schweinegülle)

20 m³/d Schweinegülle, \(V_{liq} = 1050\,\text{m}^3\), \(V_{gas} = 150\,\text{m}^3\), \(T = 42\,°\text{C}\). Dient der Verifikation der Prozesskinetik und der Logik zur Übernahme des Anfangszustands.

150-tägiger Co-Vergärungs-Lauf (Maissilage + Schweinegülle)

11,4 m³/d Maissilage + 6,1 m³/d Schweinegülle, gleiche Reaktorgeometrie. Validiert die Multi-Substrat-Mischlogik und die volumetrische Korrektur simba_q_convention.

600-tägiger Co-Vergärungs-Lauf mit Substratwechsel (Maissilage + Rindergülle)

Das umfassendste Szenario:

  • Phase 1 (0–300 d): 11,4 m³/d Maissilage + 6,1 m³/d Rindergülle.
  • Phase 2 (300–600 d): 10,0 m³/d Maissilage + 8,0 m³/d Rindergülle.

Die dynamische Schlammvolumenbilanz ist aktiviert (dynamic_volume=True, outflow_time_constant=0.05 d), sodass \(V_{liq}\) dem nahezu instantanen Überlaufwehr von SIMBA# folgt und auf ~1 m³ am Sollwert bleibt.

Wichtigste Ergebnisse

Am Ende jeder Phase (Snapshots bei \(t = 300\,\text{d}\) und \(t = 600\,\text{d}\)):

Größe Toleranz Status
\(Q_{gas},\,Q_{CH_4},\,Q_{CO_2}\) 1–3 % ✓ erfüllt
\(pH\) innerhalb 0,01 Einheiten ✓ erfüllt
\(HRT\) innerhalb 0,2 % (über dyn. Schlammvolumenbilanz) ✓ erfüllt
\(OLR\) innerhalb 3 % ✓ erfüllt
Alle sieben Biomasse-Populationen \(X_*\) 1–4 % ✓ erfüllt
Partikuläre Substrat-Pools (\(X_{PS}, X_{PF}, X_S\)) 1–4 % ✓ erfüllt
Gelöste Substrate \(S_{su},\,S_{aa},\,S_{fa}\) innerhalb 1 % ✓ erfüllt
VFA-Spezies \(S_{va},\,S_{bu},\,S_{pro}\) (und Ionen) innerhalb 1 % ✓ erfüllt
Substratwechsel-Transient bei \(t = 300\,\text{d}\) gleiche charakteristische Zeitkonstante ✓ erfüllt

Zwei verbleibende Abweichungen am Validierungs-Betriebspunkt:

  • \(S_{ac}\) (und damit die aggregierte VFA) liegt +19–21 % höher als
    SIMBA#. Dies ist ein Sättigungs-Verstärkungs-Artefakt: bei \(S_{ac} \gg K_{S,ac} = 0{,}15\) sind die acetoklastischen Monod-Kinetiken gesättigt, und die Acetatkonzentration wird über den langsamen Verdünnungskanal eingestellt und nicht über eine Monod-Rückkopplung. Eine kleine eingangs­seitige Diskrepanz (~1,1 % im effektiven \(Q\), zurückgeführt auf eine Dichte- Konvention für Maissilage) wird um den Faktor ~20 in den beobachteten S_ac-Offset verstärkt. Bei nicht-gesättigtem Betrieb verschwindet der Verstärkungseffekt.
  • TAC ist −6 %, ebenfalls auf den Biomasse­überschuss zurückzuführen:
    2–3 % mehr Biomasse binden ~0,013 kmol C/m³ anorganischen Kohlenstoff in den Biomasse-Partikeln, was den gelösten \(S_{HCO_3^-}\)-Pool reduziert, der die TAC-Formel dominiert.

Beide Offsets sind über den Substratwechsel bei \(t = 300\,\text{d}\) stabil und sind damit stationäre Charakteristika und keine divergierenden Integrations­fehler.

Fazit

PyADM1ODE ist als Drop-in-Ersatz für SIMBA# biogas 4.2 in Gasertrag-Prognosen, OLR- und HRT-Analysen sowie pH-basierter Überwachung validiert. Die zwei verbleibenden Residuen auf dem Acetat-Pool und auf der TAC sind dokumentiert und auf die bekannte Dichte-Konventionsdifferenz zwischen den beiden Simulatoren zurückführbar.

Ein vollständiger Bericht des 600-tägigen Rindergülle-Vergleichs inkl. aller thematischen Zeitreihen-Plots und Snapshot-Tabellen ist im Report/-Verzeichnis des Repositorys verfügbar.